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Digitalisierungstreiber für die Logistikbranche: Die Open Logistics Foundation

Am 22. Oktober 2021 hat die Rhenus Gruppe gemeinsam mit Dachser, DB Schenker und duisport die Open Logistics Foundation gegründet, deren Ziel es ist, Logistikunternehmen den Zugang zu digitalen Open-Source-Software, Tools und Komponenten zu ermöglichen, um so die Digitalisierung in der Logistik und im Supply Chain Management voranzutreiben. Welche Vorteile dies bringt und was sich Rhenus von der Mitarbeit an diesem Projekt erhofft, erläutert Dr. Stephan Peters, Mitglied des Vorstands der Rhenus Gruppe und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Open Logistics Foundation, im Interview.

Foto: Sebastian Gabsch

Redaktion: Was war der Grund für die Gründung der Open Logistics Foundation?

Dr. Peters: Wir könnendie Digitalisierung der Logistik nur gemeinsam voranbringen. Open Source kann daher als Treiber für einheitliche Prozesse in digitalen Wertschöpfungsketten eingesetzt werden und ist gleichzeitig ein wichtiger Erfolgsfaktor für die gesamte Logistikbranche. Wir betrachten die Gründung der Open Logistics Foundation als ersten, wichtigen Schritt hin zu einer Plattformökonomie, die sich auf europäische Rechtsnormen und Werte stützt. Wir setzen zum einen den ersten Baustein und appellieren zum anderen an die Logistik, sich zu beteiligen und gemeinsam Technologie und Prozesse neu zu denken.

Redaktion: An wen richtet sich die Stiftung, wen wollen Sie zur Mitarbeit bewegen?

Dr. Peters: Unsere Stiftung wendet sich an alle Logistik-affinen Unternehmen, und hier sowohl an deren IT-Entwickler als auch die Management-Unterstützung für gemeinsame IT-Lösungen in der Logistik. Wir sind offen für neue Mitglieder aus allen Bereichen der Logistik, von Industrie und Handel über die Dienstleistungsbranche bis hin zu Frachtführern und Organisationen.

Redaktion: Was genau sind die Aufgaben der Stiftung?

Dr. Peters: Unser zentrales Ziel ist die Förderung von Open-Source-Anwendungen in der Logistik. Dazu betreiben wir ein sogenanntes Open Logistics Repository, eine technische Plattform, auf der Soft- und Hardware, Schnittstellen, Referenzimplementierungen und Komponenten unter einer freien Lizenz zur Verfügung stehen. Diese Tools und Komponenten stehen so kostenfrei für die kommerzielle Anwendung zur Verfügung. Unternehmen können sie dazu nutzen, um ihre eigenen Plattformen zu erweitern oder neue Produkte schneller aufzusetzen. Langfristig wollen wir aber auch logistische Prozesse nicht nur digitalisieren, sondern vereinheitlichen. Dabei ist es unsere Aufgabe, die Qualität und Neutralität der Open-Source-Software zu bewahren. Außerdem wählen wir gemeinschaftliche Projekte aus, deren Entwicklungen in das Repository eingehen sollen. Wir bieten für Unternehmen auch Schulungen zur Entwicklung der Plattform an.

Redaktion: Ab wann ist das Open Logistics Repository verfügbar?

Dr. Peters: Die ersten Inhalte sind zum operativen Start der Open Logistics Foundation am 1. November 2021 verfügbar. Im nächsten Jahr werden wir die Plattform weiter aufbauen. Zum Start haben wir bereits konkrete Open-Source-Projekte benannt: der erste Open-Source-eFrachtbrief (eCMR) sowie Implementierungen für den ePalettenschein und die FTS-Schnittstelle VDA 5050. Dazu setzen wir auf viele weitere Entwicklungen aus der Community.

Redaktion: Was war für Rhenus der wichtigste Grund, sich an der Entwicklung der Open Logistics Foundation zu beteiligen?

Dr. Peters: Als Rhenus haben wir die Ressourcen und somit auch die Verantwortung, uns als Vorreiter an der Entwicklung unserer Branche zu beteiligen und aktiv an der Gestaltung der Zukunft der Logistik mitzuwirken. Wir alle wissen, dass wir uns in IT- und Digitalisierungsprojekten sehr stark engagieren – bei Rhenus und in der gesamten Logistik. Getreu dem Prinzip „never walk alone“ wollen wir dies zukünftig bei IT-Standards gemeinsam tun, die nicht wettbewerbsdifferenziert sind, und dazu noch gemeinsamen Nutzen schaffen.

Ein Beispiel dazu: eine einheitliche Fahrer-App. Vor dem aktuellen Hintergrund des Fahrermangels in Europa ist uns dieses Thema wichtig: Lkw-Fahrer, die für verschiedene Speditionsunternehmen fahren, müssen meist mehrere Apps gleichzeitig auf ihrem Smartphone nutzen. Wir wollen für die Fahrer und letztendlich auch für die Kunden Zeit und Kosten sparen. Das Risiko von Fehl- und Doppelentwicklungen wird hierdurch zudem reduziert.